Eine Istanbullogik-Feldnotiz
In Istanbul ist der öffentliche Raum für manche Fahrer immer noch ein privates Park-Ökosystem. Markierungen gelten als „Vorschläge“, Schilder als „Deko“ und Haltestellen sind das Symbol für „ich spring nur ganz kurz in den Laden“. Bitte sehr, die Auswahl der Woche:
Fall 1 — Zwei Parzellen, ein Ego

Beobachtung: Hier hat sich jemand exakt in der Mitte breitgemacht. Die Linien wirken wie eine Installation zeitgenössischer Kunst.
Kommentar: Absolvent der Schule „kein Parkplatz, sondern Lebensraum meines Egos“.
PSA: Wer zwei Plätze blockiert, halbiert die Parkeffizienz – und erhöht den Ausfahr-Stress der anderen gefühlt um 120%.
Lösung: Sollen wir „Ein Auto – ein Kästchen“ an die Wand schreiben oder doch kariertes Schulheft verteilen?
Fall 2 — Die gelbe Linie ist kein Knoblauchbrot

Beobachtung: Der gelbe Rand wurde wie eine „Würzlinie“ behandelt: ein bisschen drüber, macht’s doch nur „schmackhafter“.
Kommentar: Romantik à la „Die Linie trennt uns, aber unsere Herzen sind eins“.
PSA: Dieses Hineinragen nimmt Motorrädern Platz und Sicht – kleiner Fehler, große Rechnung.
Lösung: Visuelles Grundtraining: Linie = Grenze. Grenze überschreiten = gehört sich nicht.
Fall 3 — Das Schild „Parken verboten“: in Istanbul ein Dekoobjekt

Beobachtung: Das Schild sagt „Nicht parken“, die Straße antwortet kollektiv: „Challenge accepted.“
Kommentar: Wenn alle es falsch machen, wird’s zum Konzept, nicht zur Ausnahme.
PSA: Diese Kante blockiert Rettungs- und Lieferwege und nimmt Fußgängern die Sicht.
Lösung: Regelmäßige Kontrollen + bauliche Barrieren. Ein Schild allein ist unschuldig – es braucht Rückendeckung.
Fall 4 — Keine Haltestelle, sondern „meine“ Haltestelle

Beobachtung: Herz des ÖPNV als Privat-Drop-off-Zone umfunktioniert.
Kommentar: Sätze, die mit „Nur zwei Minuten“ beginnen, stehlen zehn Menschen je zehn Minuten.
PSA: Parken am Haltestellenbereich verhindert das Anlegen des Busses – riskant für Ältere, Kinder und alle mit Mobilitätseinschränkung.
Lösung: Poller/Schranken an Haltestellen + konsequente Ahndung. Für „nur zwei Minuten“ ist hier keine Tür offen.
Schlusswort
In Istanbul wohnt die Vernunft zwischen den Linien. Tritt man über die Linie, schwappt die Logik mit.
Die Quintessenz dieser Runde: Der Komfort eines Einzelnen stiehlt die Zeit von zehn anderen.
Bis zur nächsten Ausgabe von „auf Gurken-Niveau parken“!
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